|
Kritik
an der politischen Diskussion um die AusländerInnen-/ Integrationspolitik
1. Wir stellen
fest, dass die Parteien keine konstruktive Diskussion führen. Daher
fordern wir eine sachlichere, differenziertere Auseinandersetzung mit
dem Ziel, eine gemeinsame Basis zu finden.
Dazu gehört:
auf Polemik
zu verzichten; dafür ist das Thema zu sensibel
die in der
Diskussion verwendeten Begriffe zu klären, insbesondere (Leitkultur,
Gesellschaft, multikulturell) um nicht aneinander vorbeizureden.
2. Wir sind
dagegen, dass Parteien Zuwanderungspolitik zum Wahlkampfthema machen,
da es den rechtsradikalen Parteien Möglichkeiten zur Profilierung
gibt. Entsprechend verurteilen wir die "Kinder statt Inder"-Kampagne
und die Anti-Doppelpass-Unterschriftenaktion von CDU/CSU.
3. Wir sind
gegen den Begriff "Leitkultur", weil Kultur aufgrund ihrer natürlichen
Vielseitigkeit grundsätzlich nicht einheitliches Identifikationsobjekt
sein kann. Andernfalls würde der Kulturbegriff in die Nähe von
"Volkstum" der nationalistischen Ideologie gerückt. "Leitkultur"
steht im direkten Gegensatz zu der Idee einer multikulturellen Gesellschaft.
Statt Leitkultur fordern wir eine öffentliche Diskussion über
gesellschaftliche Grundregeln und Grundwerte, an die sich alle halten
sollten, die in diesem Land leben. Als solche fordern wir:
Kenntnis
und Achtung der Verfassung
Kenntnisse
der deutschen Sprache als Grundlage der Verständigung
Im Rahmen
dieser Grundwerte soll jeder ohne weitere Einschränkung seine Kultur
pflegen können. Voraussetzung dafür ist Achtung, Respekt und
Toleranz gegenüber allen Kulturen, ein positiver Austausch zwischen
den Kulturen im Sinne eines harmonischen Zusammenlebens.
Anregungen
und Forderungen bezüglich der Methodik der AusländerInnen-/
Integrationspolitik
1. Wir fordern
transparente und überall gültige Richtlinien und Gesetze für
das Zusammenleben von In- und AusländerInnen und deren konsequente
Umsetzung. Nur das schafft Vertrauen zur staatlichen AusländerInnenpolitik
in der Bevölkerung. Speziell betrifft dies AusländerInnenkriminalität
und ausländerInnenfeindliche Übergriffe.
2. In den
Mittelpunkt der Diskussion um Integrationspolitik sollten die Angebote
von Information und Betreuung für ZuwandererInnen gerückt werden.
Wir fordern ausdrücklich die Ausweitung dieser Angebote, jedoch nicht
in Form von kollektiven "Integrationskursen", sondern individuell
auf die Bedürfnisse der verschiedenen ZuwandererInnengruppen abgestimmt.
Dies vermeidet Diskriminierung und ist effektiver.
3. Wir sind
für eine Regulierung der Zuwanderung, fordern aber ausdrücklich,
die Asylpolitik unabhängig davon zu gestalten.
4. Wir wünschen
uns, im Sinne besseren öffentlichen Verständnisses für
das Thema, ein erweitertes Informationsangebot über AusländerInnen-/Integrationspolitik.
Mit gutem Beispiel sollten die Parteien mit ihren Homepages vorangehen.
5. Da es
keinen Ausschuss für AusländerInnenpolitik in der Hamburgischen
Bürgerschaft gibt, fordern wir die Benennung eines Gremiums oder
einer Person, die diese Aktivitäten in der Bürgerschaft koordiniert.
6. Wir fordern
die VertreterInnen Hamburgs auf, in der Diskussion auf Bundesebene für
die Zulassung der doppelten Staatsbürgerschaft
einzutreten.
Ghettoisierung
Es muss zur
Norm werden, dass nicht-deutsche und deutsche MitbürgerInnen einander
und die entsprechenden Kulturen respektieren und voneinander lernen. Es
muss außer Frage stehen, dass das Leben in einem multikulturellen
Vielvölkerstaat ein Vorteil und nichts defizitäres ist. Nach
diesem Grundsatz sollte gelehrt und gelebt werden.
Wir fordern
eine sozial ausgewogene Stadtpolitik mit folgenden Unterpunkten:
Stadtpolitik
1. Baupolitik
Wir nehmen
die Siedlung Neu-Allermöhe als im Grunde positives Vorbild für
das Umsetzen einer Großwohnsiedlung. Das Fehlen von Hochhäusern,
die breitgehaltenen Straßen, die begehbaren Grünflächen,
die Spaziergehwege und vielen Sportplätze schaffen eine familienfreundliche
Atmosphäre. Sehr zu kritisieren ist die fehlende Infrastruktur, was
die Interaktion, das gegenseitige Kennenlernen und das Voneinanderlernen
verhindert. Es muss ein multikulturelles Angebot beschaffen werden (z.B.
Cafés, Restaurants, Kinos, Theater, Kulturtreffs, Elternschulen,
Volkshochschulen), das alle anspricht und den Stadtteil auch für
Auswärtige attraktiv macht.
2. Siedlungspolitik
Oberstes
Prinzip einer neuen, innovativen Siedlungspolitik muss die Durchmischung
der ethnischen Gruppen sowie von arm und reich sein, damit ein friedliches
Zusammenleben und Voneinanderlernen gewährleistet wird.
Wir fordern,
dass AusländerInnenwohnheime und Sozialwohnungen nicht mehr in sozialschwachen
Gebieten und Randgebieten angesiedelt werden, sondern auch in besser situierten
Stadtteilen.
Wir sind
gegen sanktionierende Quotenregelungen in der Wohnungspolitik, da der
Kern des einseitigen Siedlungsproblems nicht erfasst wird. Heutzutage
ist die Staatsbürgerschaft kein zwingender Beweiß für
die gelungene Integration eines Immigranten einer Immigrantin, wie z.
B. die für die Integration essentiellen Kenntnisse der hiesigen Sprache.
3. Miteinander
leben
Wir fordern
Mittel für eine bessere Identifizierung mit dem Stadtteil, um dem
ausgrenzenden Nationalitätsgefühl einzelner ethnischer Gruppen
entgegen zu wirken und ein Zusammengehörigkeitsgefühl auf einer
anderen Ebene zu schaffen. Das wollen wir mit folgenden Maßnahmen
gewährleisten:
Gemeinsame gemeinnützige Aktivitäten der AnwohnerInnen (Stadtteilfeste,
Workshops, gemeinsame MieterInnengärten, Volkhochschulkurse im Stadtteil,
Elternschulen und -Vereine, internationale Tage, etc.)
Längere
Öffnungszeiten der HDJ's (Häuser der Jugend), um Jugendlichen
ein breiteres Freizeitangebot zu bieten, mehr BetreuerInnen, die einen
Migrationshintergrund oder Erfahrung bezüglich dessen haben, um so
besser auf unterschiedliche Jugendliche eingehen und als Vertrauensperson
fungieren zu können.
Mehr Angebote
auch für ältere Menschen, um deren Integration
besser zu garantieren und damit auch über das Elternhaus erreichen
zu können.
- Integration
in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten
- Freizeitinstitutionen
- Studierende
Allgemein:
Durch interkulturelle Ausbildung und Fortbildung der Fachkräfte in
den einzelnen Institutionen wird die Integration von Bürgern und
Bürgerinnen mit Migrationshintergrund gefördert.
Öffentliche
Veranstaltungen von Informationszentren sollten an attraktiveren Treffpunkten
durchgeführt werden.
Die Einladungen
zu solchen Veranstaltungen sollten persönlicher und besser publiziert
werden.
Die Werbung
für Informationszentren sollte attraktiver und ansprechender gestaltet
werden. Außerdem sollte die Werbung weiter verbreitet werden, z.B.
über Faltblätter, die im Supermarkt ausliegen.
Es sollten
bei der Gestaltung von Veranstaltungen der oben genannten Institutionen
alle Kulturen einbezogen werden.
Zivildienstleistende,
eventuell mit Migrationshintergrund, sollten in sozialen Einrichtungen,
wo anderskulturelle Kinder und Jugendliche hingehen, eingesetzt werden.
Bevor die Zivildienstleistenden in den sozialen Einrichtungen aktiv werden,
sollten sie ein einleitendes Seminar besuchen.
Wir fordern
die Einrichtung von Informationszentren, die sich an Jugendliche und Eltern
mit Migrationshintergrund wenden, um diese hinsichtlich des deutschen
Schulsystems, der Abschlüsse, der Finanzierung von Ausbildung und
Studium aufzuklären.
Es sollte
AnsprechpartnerInnen in den Infozentren geben, die für persönliche
Probleme der EinwandererInnen da sind.
Schule
Kontrolle der Einhaltung des Deutschunterrichts als Förderunterricht,
um den SchülerInnen mit Migrationshintergrund das Erlernen der deutschen
Sprache zu sichern.
Durch die
Kooperation von mehreren Schulen würde das Angebot an Fremdsprachen
steigen. Dadurch wäre die Möglichkeit gewährleistet, die
jeweilige Muttersprache als 1. Fremdsprache einzubringen.
Interkulturelle
Erziehung sollte Bestandteil der LehrerInnenausbildung sein. Durch Fortbildung
und Seminare sollte dies aktualisiert werden.
Des weiteren
halten wir es für notwendig, dass LehrerInnen didaktische Methoden
zur Auflösung von monokulturellen Gruppen in den von ihnen unterrichteten
Klassen erlernen.
Außerdem
fordern wir eine Ausweitung des Lehrplans auf interkulturelle Themen,
wobei alle Unterrichtsfächer mit einbezogen werden müssen.
Wir fordern
die stadtteilbezogene Einführung von zusätzlichen Sprachen an
Schulen.
Kindergärten
und Ganztagesstätten
Wir fordern die Einbeziehung aller Eltern in Projekttagen und Ausflüge,
die die multikulturelle Erziehung fördern. Besonders Eltern mit Migrationshintergrund
sollte die Teilnahme ermöglicht werden, um ihre Kultur zu präsentieren.
Es sollte
auf ein Gleichgewicht der Nationalitäten in den Kindergärten
geachtet werden.
Es sollte auch in Kindergärten und Ganztagsstätten verstärkten
Deutschunterricht für Kinder und Jugendliche geben, an denen ebenfalls
Eltern ohne Deutschkenntnisse teilnehmen können. Auch dieser Sprachunterricht
sollte möglichst von Fachkräften mit Migrationshintergrund oder
interkulturellen Erfahrungen unterrichtet werden.
Auch in
Kindergärten und Ganztagsstätten sollte für interkulturelle
Erziehung gesorgt werden. Deshalb fordern wir, dass Ausflüge zu anderskulturellen
Einrichtungen organisiert werden.
Freizeitangebote
Wir fordern, dass in Kirchen und Gemeinden, in Häusern der Jugend
und in Sportvereinen SozialarbeiterInnen eingesetzt werden, die entweder
interkulturelle Erfahrung haben oder mit Migrationshintergrund sind. Wir
sehen dies als notwendig an, da diese Personen die Mentalität der
Herkunft der Jugendlichen kennen. Es soll ihre Aufgabe sein, die multikulturellen
Gruppen friedlich zusammenzuführen.
Kulturhäuser
sollten für die alle EinwohnerInnen des Stadtteils zugänglich
sein, um das verständnisvolle Zusammenleben zu fördern.
Studierende
Ausländische Studierende sollten die gleichen Rechte bezüglich
der Arbeitserlaubnis haben wie die deutschen Studierenden.
Eine Kontrolle ist durch Leistungsnachweise möglich.
Verwaltungswesen/Gesetze
Wenn AusländerInnen
Deutschland verlassen, sind sie unsere Botschafter in der ganzen Welt.
Daher fordern wir, dass sie sich auch bei Behördengängen hier
wohl fühlen und immer menschenwürdig behandelt werden.
1. AusländerInnenbehörde
Es muss dafür gesorgt werden, dass die AntragstellerInnen genug Möglichkeiten
haben, sich über den Service der AusländerInnenbehörde
zu informieren. Beispiele: Qualifizierte Telefonauskunft, Broschüren
(nach Möglichkeit mehrsprachig)
Wir fordern
mehr Personal und längere Öffnungszeiten. In Altona werden mindestens
vier, in Wandsbek mindestens zwei Arbeitskräfte mehr dringend gebraucht.
Wir verlangen
eine Arbeitskraft pro AusländerInnenbehörde, die bei der Ankunft
des Antragstellers / der Antragstellerinprüft, ob alle nötigen
Papiere vorhanden sind.
Die Arbeitskräfte
müssen besser für den Umgang mit AusländerInnen geschult
werden, um ein Verständnis für sie zu entwickeln.
Insgesamt
muss eine freundliche Atmosphäre für alle geschaffen werden,
z.B. mit Tee und Kaffee.
2. Asyl
Der Senat möge sich dafür einsetzen, dass allen AsylbewerberInnen,
die von nichtstaatlichen Organisationen misshandelt wurden, Asyl gewährt
wird.
Der Senat
soll sich in Hamburg für die menschenwürdige Behandlung der
AsylbewerberInnen einsetzen, z.B. in der Zeit bis zu ihrer Abschiebung.
Wir verlangen
von jedem Einzelnen, dass er sich für die Einhaltung der Menschenrechte
bezüglich der Abschiebung einsetzt.
3. Bosnien
Aus aktuellem Anlass fordern wir den Innensenator dazu auf, sich bei der
Konferenz der InnenministerInnen über die Zukunft der verbliebenen
30.000 bosnischen Kriegsflüchtlinge am Ende des Monats (November
2000) für deren Bleiberecht einzusetzen.
Diese Menschen haben sich hier in den letzten acht Jahren integriert,
Ausbildungen angefangen, Beziehungen geknüpft und haben teilweise
aufgrund ihrer Kriegserlebnisse psychische Störungen, z.B. durch
Vergewaltigungen, Kriegsgefangenschaften, etc. Viele haben in Bosnien
alles verloren und dort keine Angehörigen mehr.
4. Notwendige
Gesetze
Nach achtjährigem legalem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland
sollen AusländerInnen eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.
Es soll
eine lebenslange doppelte Staatsbürgerschaft geben.
AusländerInnen
mit unbefristeter Aufenthaltsgenehmigung sollen das Kommunalwahlrecht
erhalten.
Wir fordern
ein Antidiskriminierungsgesetz, das die gleiche Behandlung von Menschen
mit Immigrationshintergrund im Grundgesetz verankert, z.B. bezüglich
des Wohn- und Arbeitsmarktes.
5. Außerdem
Polizisten und andere Menschen mit ähnlich kontaktreichen Berufen
sollen in Bezug auf die Behandlung von AusländerInnen besonders gut
geschult und geprüft werden.
Des weiteren sollten AusländerInnen in diesen Berufen vermehrt eingestellt
werden.
Der Senat
soll sich für die Erweiterung der GreenCard einsetzen.
Es soll
beschlossen werden, dass den ArbeiterInnen, die nach Deutschland kommen,
der Aufenthalt erleichtert wird. Z.B. sollen Studierende nach Abschluss
des Studiums nicht für einen Monat in ihr Herkunftsland zurückkehren
müssen.
|