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Status
der LehrerInnen
Wir sehen
eine Vielzahl von Mißständen im bestehenden Schulsystem der
Hansestadt Hamburg, die maßgeblich durch folgende Faktoren bedingt
sind:
Der BeamtInnenstatus der LehrerInnen macht diese quasi unkündbar.
Es mangelt den Schulen daher an Möglichkeiten, fachliche sowie pädagogisch-didaktische
Kompetenzen der LehrerInnen regelmäßig zu prüfen und inkompetente
Lehrkräfte zu entlassen.
Der BeamtInnenstatus ist dafür verantwortlich, daß es bisher
für nicht erforderlich erachtet wurde, SchülerInnen in die Beurteilung
von LehrerInnen einzubeziehen.
LehrerInnen, die sich durch Engagement und Kompetenz auszeichnen, werden
durch den BeamtInnenstatus unzureichend motiviert, da ihre Leistungen
von den Schulen nicht ausreichend honoriert werden können.
Es ist nicht ersichtlich, daß einE LehrerIn mit Fächern, welche
besonders arbeitsintensiv sind und der regelmäßigen Fortbildung
bedürfen, mit der gleichen Stundenzahl belastet wird wie einE KollegIn,
dessen/deren Fächer erwiesenermaßen weniger aufwendig vorzubereiten
sind.
Es bestehen Nachteile in der Aufhebung des BeamtInnenstatus, da diese
möglicherweise die zu verhindernde Abwanderung von kompetenten LehrerInnen
in Schulen und Bundesländer mit günstigeren Konditionen zur
Folge haben könnte. Auch finanziell ist dieser Schritt nicht zu verantworten,
da eine Änderung der Renten den Staat erheblich teurer zu stehen
käme als die Pensionen, wie sie derzeitig für BeamtInnen vorgesehen
sind.
Die Aussicht auf Verbeamtung stellt häufig den einzigen Anreiz dar,
die, unserer Ansicht nach, unterbezahlte Tätigkeit des Lehrers/der
Lehrerin auszuüben.
In der Ausbildung der LehrerInnen sehen wir einen erheblichen Mißstand
in der Tatsache, daß es für den Erwerb besonders der gymnasialen
Lehrerlaubnis nicht erforderlich ist, umfangreiche Kenntnisse auf dem
Gebiet der Pädagogik und Didaktik zu erwerben.
Es fehlt eine Regelung, die den regelmäßigen Nachweis für
didaktische und pädagogische Fortbildung neben der fachlichen Fortbildung
verlangt.
Deshalb fordern
wir:
eine regelmäßige Prüfung der fachlichen wie auch pädagogisch-didaktischen
Kompetenzen.
die Einführung schulinterner verbindlicher Befragungen der SchülerInnenschaft
über die Qualifikation der LehrerInnen nach dem Beispiel einiger
dänischer Schulen. Diese Befragungen sollen repräsentativ sein
und nicht dazu dienen, "unbeliebte LehrerInnen" indirekt zu
bestrafen. Somit soll sichergestellt werden, daß gut qualifizierte
LehrerInnen nicht aus persönlichen Gründen wie Streit oder Rachsucht
ihre Beschäftigung verlieren.
die Anerkennung von persönlichem Engagement in der LehrerInnenschaft.
Daher unterstützen wir die Bemühungen, die zur Zeit in der Behörde
zur gerechten Beurteilung des fächerspezifischen Arbeitsaufwandes
unternommen werden.
eine Vertiefung in der Aus- und Fortbildung der LehrerInnen auf dem Gebiet
der Didaktik und Pädagogik.
die Einführung eines regelmäßigen, verbindlichen Fortbildungsnachweises.
Unsere Forderungen
kollidieren mit dem derzeitig bestehenden BeamtInnenrecht.
Daher fordern wir eine grundsätzliche Überprüfung des BeamtInnenstatus.
Kindliche
Bildung und Erziehung
Der Unterausschuß
"Kindliche Bildung und Erziehung" befaßte sich mit der
Struktur und dem Aufbau der Kindertagesstätten und Grundschulen.
Nach Ortsbesichtigung
und Anhörung der Experten stellen wir fest, daß die Kindertagesheime
ihre Aufgaben nicht mehr im ausreichenden Maße wahrnehmen können,
da:
ihnen immer mehr Verwaltungsaufgaben zugeteilt werden.
finanzielle
Einsparungen in einem solchen Maße vorgenommen werden, daß
Instandsetzungsarbeiten nicht durchgeführt, Beschäftigungsmaterialien
(Spielzeug, Stifte, Papier) nicht angeschafft werden können und Besuche
von Museen und anderen Bildungseinrichtungen entfallen.
akuter Personalmangel
besteht und trotzdem weitere Stellen gestrichen werden sollen. Dies führt
zu einem unverantwortlichen Verhältnis von Erziehern zu Kindern.
Die erzieherische Aufgabe kann deshalb nicht mehr wahrgenommen werden;
insbesondere kann verhaltensauffälligen Kindern nicht mehr die nötige
Betreuung zuteil werden. Dieses früher noch durch gezielte Betreuung
zu lösende Problem ist heute wegen der allgemeinen Mißstände
nicht mehr zu kurieren. Es ist allgemein bekannt, daß der Wandel
der Gesellschaft (alleinerziehende Mütter und Väter, Berufstätigkeit
der Bezugspersonen, steigender Konsumzwang, zunehmende Medialisierung
usw.) neue Herausforderungen an Bildung und Erziehung stellt.
Deshalb fordern
wir, daß:
der bereits vor zwei Jahren eingeführte Anspruch auf einen Kindergarten-
oder Vorschulplatz für jedes Kind rechtlich einklagbar wird.
die Rahmenbedingungen
für Kindertagesheime, insbesondere finanziell, erheblich und kontinuierlich
verbessert werden, so daß allen Kindern die ihnen angemessene Betreuung
zuteil werden kann. Als ersten Schritt in diese Richtung fordern wir die
sofortige Rücknahme der beschlossenen Sparmaßnahmen in Höhe
von jährlich 27 Millionen DM ab dem Jahre 2001.
Ähnlich
katastrophale Zustände mußten wir auch an den Grundschulen
feststellen. Nach unserer Auffassung sollte die Schule bereit sein, neben
dem Bildungsauftrag, aus den oben genannten Gründen auch erzieherische
Funktionen zu übernehmen.
Das bisherige
Konzept der VHGS (Verläßliche Halbtagsgrundschule) stellt lediglich
einen schwächlichen Versuch dar, an den Symptomen herumzukurieren,
und ist deshalb lediglich ein politisches Ablenkmanöver.
Wir fordern,
daß ein grundlegend neues Konzept unter Einbeziehung der zahlreichen
neuen und neuesten Erkenntnisse der verschiedenen Versuchs- und Experimentalschulen
erarbeitet wird.
Langfristig
ist auf die Schaffung eines Ganztagsschulkonzepts hinzuarbeiten. Während
der Übergangszeit ist eine Zusammenarbeit von Kindertagesheimen,
Grundschulen und örtlichen Vereinen die einzige
uns sinnvoll erscheinende Lösung.
Einsparungen/Finanzen
Nach Anhörung
der Experten hat der Unterausschuß "Einsparungen/Finanzen"
folgendes festgestellt:
Die Finanzlage an den Hamburger Schulen ist, bedingt durch Einsparungsvorgaben
der Schulbehörde, in einem kritischen Zustand.
Krankheitsbedingte
Unterrichtsausfälle können nur unzureichend ausgeglichen werden.
In der Antwort
des Senats auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Andreas Kühn
(CDU) vom 14. August 1998 (Drucksache 16/1253) wird von einem LehrerInnenbedarf
von 14 453 Lehrerstellen gesprochen, dem ein Bestand von 14 254 LehrerInnen
gegenübersteht.
Eine umständliche
Verwaltung der Gelder innerhalb der Schulbehörde sorgt oft für
unnötige Mehrausgaben. Hierzu ist dem Unterausschuß ein Beispiel
bei der Besetzung einer Hausmeisterstelle am Gymnasium Blankenese bekannt.
Lehrmittel
sind häufig veraltet und nicht mehr zeitgemäß.
Deshalb fordern
wir:
die Bereitstellung finanzieller Mittel, damit die fehlenden 199 LehrerInnen
eingestellt und bei steigenden SchülerInnenzahlen weitere neue LehrerInnenstellen
geschaffen werden können.
langfristige
krankheitsbedingte Unterrichtsausfälle müssen an Hamburger Schulen
der Vergangenheit angehören. Sollte einE LehrerIn mehr als fünf
Tage fehlen, ist ein vollwertiger Ersatz zu schaffen. Dies kann z. B.
durch die Einrichtung einer "LehrerInnenfeuerwehr" geschaffen
werden.
autonome
Finanzverwaltung der Schulen, um Fehlausgaben zu vermeiden.
die Bereitstellung
zeitgemäßer Lehrmittel.
die Unterstützung
der Idee des "Sponsoring" an Hamburger Schulen, um deren Finanzsituation
zu verbessern.
Es darf nicht
weiter an der Bildung der Kinder und Jugendlichen, die die Zukunft unserer
Gesellschaft darstellen, gespart werden.
Wir
fordern daher die sofortige Einstellung aller Sparmaßnahmen im Bereich
Bildung.
Weiterführende
Schulen
Betreffend
die Bildung in weiterführenden Schulen zeichnen sich folgende Probleme
ab:
Es gibt erhebliche qualitative Differenzen in den Standards von Schulen
einer Schulform.
Aus dem Haushaltsplan
1998 wird eine ungerechte Verteilung der finanziellen Mittel zuungunsten
der Real- und Hauptschulen ersichtlich.
Die Schulzeit
zum Erwerb der Hochschulreife in Deutschland ist im Vergleich zu anderen
Ländern im vereinigten Europa zu lang.
Die veränderten
Auflagen der KMK (Kultusministerkonferenz) vom 25. Oktober 1996 für
die gymnasiale Oberstufe erfordern bei sinkenden finanziellen Mitteln
zwingend eine Reform im Konzept und in der Koordination derselben.
Im Bereich
der gymnasialen Oberstufe können bestimmte Kurse häufig nicht
angeboten werden.
Das Schulfach
Informatik wird unzureichend aktuell und nicht genug anwendungsbezogen
vermittelt.
Deshalb fordern
wir:
die Überprüfung
und Einhaltung eines einheitlichen Bildungsstandards.
die Einführung
eines fachlichen LehrerInnenkoordinationsrates zwischen kooperierenden
Schulen oder auf Stadtteilebene, für mehr Zusammenarbeit in bezug
auf Leistungsziele.
die Verkürzung
der Schulzeit zum Erwerb der Hochschulreife von 13 auf zwölf Jahre.
die verstärkte
Vorbereitung in der Mittelstufe auf die Studienstufe, speziell in der
Gesamtschule, und die Vermittlung von Grundkenntnissen in Rechtschreibung
und Grammatik sowie Schlüsselqualifikationen für Beruf und Studium,
wie selbstorganisiertes Arbeiten, Teamfähigkeit, Präsentation
von Ergebnissen.
eine verstärkte
Kooperation zwischen einzelnen Schulen, über den Bereich sogenannter
Partnerschulen hinaus, die den Schülern flexiblere Kurswahl ermöglicht.
aufgrund
der veränderten Auflagen der KMK mehr LehrerInnenstellen an Gymnasium
und Gesamtschule in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und
Gemeinschaftskunde.
einen Studiengang
"Informatik auf Lehramt" und im Bereich Informatik die Möglichkeiten
zu regelmäßigen Fortbildungen sowie die Aufrüstung der
Material- und Gerätebestände.
die Vermittlung
von Basiswissen in der Anwendung von Computern und Standardsoftware verpflichtend
zu machen.
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