|
Der Ausschuß
hat in Anlehnung an die Beschlußvorlage
des Ausschusses "Verkehr" von "Jugend im
Parlament 1993" folgende Forderungen formuliert.
Hierbei ist
uns zwar klar, daß diese Projekte zum Teil kostenaufwendig sind,
doch denken wir, daß hier
Prioritäten gesetzt werden müssen.
Da ein gutes
ÖPNV-Angebot Nachfrage schafft und die Stadt wieder lebenswert macht,
muß alles getan werden, um dieses so attraktiv
wie möglich zu gestalten. Hierbei ist gerade auch die Preispolitik
entscheidend.
Tarife
Neben der generellen Forderung nach Preissenkungen besteht das Bedürfnis
nach der Einführung
einer übertragbaren Umweltmonatskarte, die ganztägig gilt. Der
Preis sollte 80 DM nicht überschreiten.
Kombitickets, d. h. Eintrittskarten, in deren Preis die Benutzung des
HVV eingeschlossen ist, sollten bei kulturellen Veranstaltungen häufiger
Verwendung finden.
Abschaffung der ersten Klasse der S-Bahn und aller Zuschläge.
Service
Notwendig für den Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel
ist ein attraktiveres HVV-Angebot in der Nacht. Freitag und Sonnabend
nacht besteht der Bedarf nach Bahn im 20-Minuten-Takt, in den Nächten
von Sonntag bis Donnerstag ist ein 30-Minuten-Takt ausreichend. Die dadurch
überflüssigen Nachtbus-Linien werden für Querverbindungen
eingesetzt.
Bei der Möglichkeit, ein Nachttaxi vom Bus aus zu bestellen, muß
die Verläßlichkeit des Taxi-Transportes garantiert werden.
Im Interesse von Sammeltaxis sollen die ersten zwei Kilometer ab drei
Insassen pauschal 4 DM pro Person, für Einzelpersonen 5 DM kosten.
Danach fallen die üblichen Taxikosten an.
Allgemein muß die Benutzung des HVV behindertengerechter werden.
Um RadfahrerInnen die Benutzung des HVV attraktiver zu machen, besteht
der Bedarf nach einer Bereitstellung sicherer Fahrradboxen an U- und S-Bahn-Haltestellen.
Jede Bahn braucht in der Art eines Gepäckwagens einen Fahrradtransport-Waggon.
Sicherheit
Für eine Erhöhung der Sicherheit in U- und S-Bahnen soll durch
Erhöhung der Anzahl des Wachpersonals gesorgt werden. Dieses muß
besser ausgebildet und sozial geschult werden, um so bürgerInnennah
zu sein.
Der Blickkontakt zwischen den Waggons muß (wie zum Teil realisiert)
durch Glasfronten gewährleistet sein. Die Waggons müssen mehr
Notruf-Tasten haben, außerdem müssen Bushaltestellen
bzw. U- und S-Bahn-Stationen und -Zugänge besser beleuchtet werden.
Streckennetz
Um die Nutzung des ÖPNV sicherzustellen, ist es notwendig, die schon
bestehenden Linien zu verlängern. Gebiete wie Ottensen, Osdorf, Lurup,
Steilshoop, Bramfeld, Großlohe, Jenfeld, Sasel usw. sollten an das
U- und S-Bahn-Netz angeschlossen werden. Hierzu bedürfte es ein bis
zwei neuer Bahnlinien, deren Bau wir sehr begrüßen würden.
Wegen seiner flexiblen Streckenführung ist der Bus auf Kurzstrecken
unersetzbar. Auf Mittelstrecken z. B. in Stadtteilzentren und auf stark
frequentierten Buslinien (102, 108 usw.) muß dagegen eine Stadtbahn
mit eigener Trasse eingesetzt werden.
Neben den neu zu bauenden Stadtbahntrassen besteht ein Bedarf nach mehr
Busspuren. Nur indem die HVV-Fahrzeuge am (durch den Individualverkehr
verursachten) Stau vorbeifahren, wird ein Umsteigen attraktiv genug gemacht.
Deswegen
muß, außer auf den Hauptverkehrsstraßen, Tempo 30 für
den Individualverkehr gelten.
Durch die Einführung einer Parkraumsteuer und eine starke Erhöhung
der Strafgebühren und Bußgelder bei Falschparken und überhöhter
Geschwindigkeit ist dies finanzierbar und die Motivation,
auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, größer.
Individualverkehr
Im Interesse einer "autofreien Innenstadt" fordern wir, die
von der Baubehörde geplanten Projekte für verkehrsberuhigte
Zonen finanziell vorrangig zu unterstützen. Diese sehen unter anderem
die Bereiche City West, Poststraße, Große Bleichen, Gerhofstraße,
Neue ABC-Straße, Alter Wall, Reesendamm, Mönckedamm, Umgebung
des Dammtor-Bahnhofes als verkehrsberuhigte Zone vor.
Für die Stadtteilzentren von Altona, St. Georg, St. Pauli und für
das Karolinenviertel fordern wir die Reduzierung von Parkplätzen
und weitestmöglich die Schaffung von FußgängerInnenzonen.
In großräumigen FußgängerInnenzonen ist auf der
gleichen Ebene der Fahrradverkehr zuzulassen auf farblich für ihn
markierten Bereichen.
Um der Verdrängung von FahrradfahrerInnen und FußgängerInnen
durch den Autoverkehr entgegenzuwirken, müssen die Radwege zu Lasten
der Fahrbahnen auf mindestens 2m Breite erweitert werden. Nötig sind
kantsteinfreie Straßenübergänge, um eine möglichst
übergangslose Überführung der Radwege über die Fahrbahnen
zu sichern.
An geeigneten und viel besuchten Standorten sind ausreichend große
und technisch gut durchdachte Abstellanlagen für Fahrräder und
Fahrradgepäck einzurichten.
Für das Universitätsviertel erwarten wir einen Rückbau
der Straßen auf zwei Spuren und Umbau der Parkstreifen in Radwege,
vor allem in folgenden Straßen: Grindelhof, Schlüterstraße,
Hochallee und Rothenbaumchaussee.
Wir fordern die finanzielle Bevorzugung der "Velotrasse", die
im Grindelviertel geplant ist.
In Wohngebieten ist einwohnerInnenberechtigtes Parken einzuführen
und auch genügend Parkraum für Behinderte zu reservieren.
Ziel des
Forderungskataloges soll es sein, eine ökologisch und sozialverträgliche
Umgestaltung des Verkehrs in Hamburg zu bewirken. Dies ist nur dadurch
zu erreichen, daß das Autofahren unattraktiv wird und die Angebote
des ÖPNV so interessant werden, daß die Bevölkerung gerne
auf andere Verkehrsmittel umsteigt.
Deswegen
empfiehlt der Ausschuß "Umwelt, Energie und Verkehrspolitik"
der Bürgerschaft die Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs
in Hamburg und die Verbesserung des ÖPNV- und Fahrradnetzes in und
um Hamburg. Die Verkehrspolitik muß von der autofreundlichen Politik
weggeführt werden und so dem/der BürgerIn ein Umdenken ermöglichen.
|