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Hilfe
statt Strafe für Drogenabhängige
Situation
der Drogenszene in Hamburg
Die Politik
hat angesichts der in Hamburg vorherrschenden Drogensituation versagt.
Rückläufige Zahlen von Drogentoten und polizeilich erfaßten
ErstkonsumentInnen harter Drogen wie z. B. Heroin können über
die tatsächliche Situation der Drogenabhängigen in dieser Stadt
nicht hinwegtäuschen.
Immer noch konsumieren fast 10000 Menschen täglich harte Drogen.
Um ihre Sucht zu finanzieren, benötigen sie täglich mehrere
hundert Mark, die sie meist nur durch Prostitution, Diebstahl und Drogenhandel
beschaffen können.
Begleitet wird die Abhängigkeit von einem kontinuierlich fortschreitenden
sozialen Verfall, der letztendlich zur Ausgrenzung aus der Gesellschaft
führt. Da allein schon der Besitz von Drogen als Straftat behandelt
wird, geraten sie zwangsläufig in einen
Teufelskreis, der sich wie folgt darstellt:

Die Situation
der Drogenhilfe am Beispiel des "Stay Alive"
Durch staatlich
geförderte Maßnahmen gibt es derzeit zwölf Beratungs-
und Kontaktstellen für Drogenabhängige, eines davon ist das
"Stay Alive" in Hamburg-St. Pauli.
Hier ist
es möglich, Spritzen zu tauschen, ärztliche Hilfe in Anspruch
zu nehmen, Beratungsgespräche zu führen und warme Mahlzeiten
zu sich zu nehmen (wenn die einzige Köchin nicht gerade im Urlaub
ist, wie es während unseres Besuches der Fall war).
Zusätzlich gibt es eine Dusche und zwei Waschmaschinen für mehrere
hundert Besucher am Tag. Am "Stay Alive" wird deutlich, in welcher
Situation sich die Drogenhilfe in Hamburg befindet.
Einerseits
werden Drogenhilfeprojekte begrüßt und für erhaltenswert
erachtet, andererseits sieht es in der gegenwärtigen Situation nicht
so aus, als würde es eine langfristige Existenzsicherung für
die Einrichtung geben.
Der Mietvertrag
läuft zum Ende des Jahres ab, und Alternativvorschläge
werden unter Angabe von fadenscheinigen Gründen abgelehnt.
Unsere
Erkenntnisse und Forderungen
Wir sind
der Meinung, daß die Abgabe von harten Drogen auf Rezept nicht der
einzige Weg ist, aber einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung
darstellt.
Darüber
hinaus muß es für die Drogenabhängigen einfacher werden,
einen Therapieplatz zu erhalten, denn immer noch dauert es mehrere Monate
von der Entscheidung des Drogenabhängigen zum Entzug bis zum Beginn
der Therapie.
Wir fordern
deshalb:
Ausbau des
Therapie- und Beratungsnetzes von derzeit etwa 50 Entgiftungsplätzen
und zwölf Beratungsstellen auf Entgiftungs- und Beratungsmöglichkeiten
in allen Stadtteilen.
Vereinfachung des Antragsverfahrens zu einer Therapie sowie der Beschleunigung
der Antragsbearbeitung.
Verstärkung der schulischen Aufklärung, z. B. Gespräche
mit TherapeutInnen und Junkies.
Mehr Toleranz und Verständnis gegenüber Drogenabhängigen.
Verstärkte Unterstützung aller Beratungsstellen, insbesondere
sofortige Sicherung der Zukunft des "Stay Alive".
Aufbau eines Suchtzentrums zur Koordination der Prävention.
Kontrollierte Abgabe von harten Drogen an Drogenabhängige unter ärztlicher
Aufsicht bundes- bzw. EG-weit.
Erleichterung der Methadon-Behandlung.
Legalisierung sogenannter weicher Drogen (Cannabisprodukte).
Einführung einer Steuer, die dem Gesundheitswesen zugute kommt, auf
Alkohol, Tabakwaren und "weiche Drogen".
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