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Resolutionen von JiP 1992
Gewalt
Erscheinungsformen von Gewalt
Ursachen der Gewaltbereitschaft
Forderungen

Resolutionen
von JiP 1992

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Erscheinungsformen von Gewalt

Die Gewalt stellt heute ein gesamtgesellschaftliches Problem mit verschiedensten Erscheinungsformen dar.

Wir haben uns an konkreten Beispielen mit Ursachen und Formen für die derzeitige Gewaltbereitschaft auseinandergesetzt.

Bei unserer Diskussion haben sich folgende Erscheinungen von Gewalt als besonders wesentlich herausgestellt:

  • Gewalt in der Familie
    • Gewalt gegen Kinder, wobei sich die Formen in
      • sexuellen Mißbrauch,
      • körperliche und seelische Mißhandlung,
      • Vernachlässigung

      aufteilen lassen.

  • Gewalt gegen den Partner/die Partnerin.
    Diese äußert sich im
    • Schlagen,
    • Vergewaltigen und
    • Unterdrücken des Partners/der Partnerin.

    Diese körperliche Gewalt richtet sich zum überwiegenden Teil, zu über 90 Prozent, gegen Frauen. Gerade die Vergewaltigung wird von den männlich dominierten Gerichten nach wie vor als Kavaliersdelikt mit milden Strafen "abgeurteilt". Vergewaltigung in der Ehe steht sogar gar nicht unter Strafe. Da die Straftaten im Vergleich zu anderen Vergehen, z. B. Diebstahl oder Körperverletzung, zu niedrig abgeurteilt werden, sind die Sexualstrafmaßen zu verschärfen.

  • Gewalt gegen Minderheiten, die sich in allen Lebensbereichen äußert, z. B.:
    • gegen AsylbewerberInnenheime und AusländerInnen allgemein,
    • persönliche Angriffe auf der Straße,
    • in der Schule oder am Arbeitsplatz,
    um nur einige Formen der Gewalt zu nennen.

Ursachen der Gewaltbereitschaft

Der Ausschuß vermutet, daß erst ein Zusammenwirken verschiedener Ursachen einen gewaltbereiten Menschen tatsächlich gewalttätig werden läßt:

Schwächung des Selbstwertgefühls
zunehmend Schwächung der gesellschaftlichen Stellung,
durch Medien dargestelltes "Helden"-Bild des Normalbürgers/der Normalbürgerin.

Gewalt als legitimiertes Mittel
durch tatsächliche Gewaltanwendung als Interessendurchsetzung,
historisch bedingt (Gewalt im Krieg ist legitimiert).

Verschobene Wertvorstellungen der Gesellschaft
große Gewaltakzeptanz,
Gewalt hat starken Unterhaltungswert.

Gewaltbereitschaft wird sehr früh durch ein gestörtes Aufwachsen der Kinder gefördert
durch eine simulierte Erlebniswelt durch Medien und Computerspiele,
durch eigene Erfahrungen mit körperlicher und seelischer Gewalt,
durch Leistungsüberforderung und zu wenig gefördertes Sozialdenken,
durch Isolation der Kinder und dadurch gestörte Kommunikation,
durch Kreativitäts- und Motivationsschwächung; Freizeitleerlauf als Folge der simulierten
Erlebniswelt.

Komponenten wie

enge Wohnverhältnisse,
Alkoholkonsum,
finanzielle Nöte,
eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit,
rigide Erziehungsvorstellungen,
Idealisierung der Mutterrolle

begünstigen die Gewaltbereitschaft.

Speziell auf die Familie bezogen entstehen Spannungen, die sich meist in Form von körperlicher Gewalt äußern. Damit entzieht man sich einer mentalen Auseinandersetzung in der Familie. Das Familienoberhaupt, der Vater, setzt seine Meinung notfalls auch mit Gewalt durch.

Gerade für die Mütter, die sich etwa 90 Prozent der Zeit mit den Kindern beschäftigen, bleibt wenig Freiraum, weil es zuwenig Möglichkeiten für Eltern/Mütter gibt, wo sie ihre Kinder für einige Stunden in Obhut geben können; außerdem ist dies auch häufig verpönt ("Rabenmütter").

Auch angestaute Probleme, die nicht richtig verarbeitet werden, können zu plötzlich auftretender Gewalt führen.

Bis jetzt gibt es in der Stadt Hamburg mehrere Vereine, die sowohl den Opfern als auch den Tätern Hilfe anbieten.

Wir haben zum Bereich der Gewalt in der Familie Vertreter des Kinderschutzbundes und des Vereins "Männer gegen Männergewalt" eingeladen und uns über ihre Arbeit informiert.

Der Aufgabenschwerpunkt aller Organisationen liegt in der Nachsorge bereits verübter Gewalttaten. Der Kinderschutzbund teilt dies in drei Bereiche:

Die SelbstmelderInnen

Mütter und vereinzelt auch Väter, die ihre Kinder mißhandeln und die erkennen, daß dies ein Problem darstellt, bekommen Unterstützung im Umgang mit ihren Kindern, z. B. in Form von Therapien. Kinder als Selbstmelder sind dagegen wenig bekannt (ca. 20 pro Jahr).

Die FremdmelderInnen

Verwandte oder Nachbarn, die eine Kindesmißhandlung vermuten. In diesem Fall wird über die "anzeigende Person" Kontakt zur Familie aufgenommen.

Angebot von Fachberatungen für LehrerInnen, TherapeutInnen und ÄrztInnen

Besonderes Problem bei der Hilfe sind gerade die total überlasteten Häuser für mißbrauchte und vergewaltigte Mädchen und Frauen. Die vorhandenen Möglichkeiten müssen hier besser finanziell abgesichert und schnell neue Frauenhäuser geschaffen werden. Aber auch männlichen Tätern und Opfern fehlen pädagogische Hilfen und auch eigene Häuser.

Forderungen

Aus diesem Auszug der Untersuchung der Gewalt in unserer Gesellschaft ergeben sich folgende Forderungen:

Die Organisationen und Vereine, die sich mit dem Themenbereich "Gewalt" befassen, Hilfe leisten und für Aufklärung sorgen, sind von der Bürgerschaft in ausreichendem Maße zu unterstützen.

Weiterhin fordern wir:

die Durchsetzung des Vorschlages im Deutschen Bundestag zur Neufassung des § 1631 Absatz 2 Bürgerliches Gesetzbuch. Dieser Vorschlag lautet: "Kinder sind gewaltfrei zu erziehen. Entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, insbesondere Körperstrafen und seelisch verletzende Sanktionen sind unzulässig."

die Einrichtung von mehreren Kinderhäusern in verschiedenen Stadtteilen. Kinder, die Opfer von Gewalttaten durch Eltern geworden sind, sollen dort im Notfall Obhut, Schutz und fachliche Betreuung finden.

"Streetworker" für Kinder und Jugendliche.

Änderung der Lebensbedingungen, insbesondere in sozialen Brennpunkten.

Beschäftigung mit dem Thema in sozialen Einrichtungen (Kindergärten, Schulen u. ä.).

Überprüfung des Sexualstrafrechts.



Was ist aus den Forderungen geworden?
Hier gibt's die Erfolge und Niederlagen!

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