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Erscheinungsformen
von Gewalt
Die Gewalt
stellt heute ein gesamtgesellschaftliches Problem mit verschiedensten
Erscheinungsformen dar.
Wir haben
uns an konkreten Beispielen mit Ursachen und Formen für die derzeitige
Gewaltbereitschaft auseinandergesetzt.
Bei unserer
Diskussion haben sich folgende Erscheinungen von Gewalt als besonders
wesentlich herausgestellt:
- Gewalt
in der Familie
- Gewalt
gegen Kinder, wobei sich die Formen in
- sexuellen
Mißbrauch,
- körperliche
und seelische Mißhandlung,
- Vernachlässigung
aufteilen
lassen.
- Gewalt
gegen den Partner/die Partnerin.
Diese äußert sich im
- Schlagen,
- Vergewaltigen
und
- Unterdrücken
des Partners/der Partnerin.
Diese
körperliche Gewalt richtet sich zum überwiegenden Teil,
zu über 90 Prozent, gegen Frauen. Gerade die Vergewaltigung wird
von den männlich dominierten Gerichten nach wie vor als Kavaliersdelikt
mit milden Strafen "abgeurteilt". Vergewaltigung in der
Ehe steht sogar gar nicht unter Strafe. Da die Straftaten im Vergleich
zu anderen Vergehen, z. B. Diebstahl oder Körperverletzung, zu
niedrig abgeurteilt werden, sind die Sexualstrafmaßen zu verschärfen.
- Gewalt
gegen Minderheiten, die sich in allen Lebensbereichen äußert,
z. B.:
- gegen
AsylbewerberInnenheime und AusländerInnen allgemein,
- persönliche
Angriffe auf der Straße,
- in
der Schule oder am Arbeitsplatz,
um nur einige
Formen der Gewalt zu nennen.
Ursachen
der Gewaltbereitschaft
Der Ausschuß
vermutet, daß erst ein Zusammenwirken verschiedener Ursachen einen
gewaltbereiten Menschen tatsächlich gewalttätig werden läßt:
Schwächung
des Selbstwertgefühls
zunehmend Schwächung der gesellschaftlichen Stellung,
durch Medien
dargestelltes "Helden"-Bild des Normalbürgers/der Normalbürgerin.
Gewalt
als legitimiertes Mittel
durch
tatsächliche Gewaltanwendung als Interessendurchsetzung,
historisch
bedingt (Gewalt im Krieg ist legitimiert).
Verschobene
Wertvorstellungen der Gesellschaft
große
Gewaltakzeptanz,
Gewalt
hat starken Unterhaltungswert.
Gewaltbereitschaft
wird sehr früh durch ein gestörtes Aufwachsen der Kinder gefördert
durch
eine simulierte Erlebniswelt durch Medien und Computerspiele,
durch
eigene Erfahrungen mit körperlicher und seelischer Gewalt,
durch Leistungsüberforderung
und zu wenig gefördertes Sozialdenken,
durch Isolation
der Kinder und dadurch gestörte Kommunikation,
durch Kreativitäts-
und Motivationsschwächung; Freizeitleerlauf als Folge der simulierten
Erlebniswelt.
Komponenten
wie
enge
Wohnverhältnisse,
Alkoholkonsum,
finanzielle
Nöte,
eigene Gewalterfahrungen
in der Kindheit,
rigide Erziehungsvorstellungen,
Idealisierung
der Mutterrolle
begünstigen
die Gewaltbereitschaft.
Speziell auf die Familie bezogen entstehen Spannungen, die sich meist
in Form von körperlicher Gewalt äußern. Damit entzieht
man sich einer mentalen Auseinandersetzung in der Familie. Das Familienoberhaupt,
der Vater, setzt seine Meinung notfalls auch mit Gewalt durch.
Gerade für die Mütter, die sich etwa 90 Prozent der Zeit mit
den Kindern beschäftigen, bleibt wenig Freiraum, weil es zuwenig
Möglichkeiten für Eltern/Mütter gibt, wo sie ihre Kinder
für einige Stunden in Obhut geben können; außerdem ist
dies auch häufig verpönt ("Rabenmütter").
Auch angestaute Probleme, die nicht richtig verarbeitet werden, können
zu plötzlich auftretender Gewalt führen.
Bis jetzt gibt es in der Stadt Hamburg mehrere Vereine, die sowohl den
Opfern als auch den Tätern Hilfe anbieten.
Wir haben
zum Bereich der Gewalt in der Familie Vertreter des Kinderschutzbundes
und des Vereins "Männer gegen Männergewalt" eingeladen
und uns über ihre Arbeit informiert.
Der Aufgabenschwerpunkt
aller Organisationen liegt in der Nachsorge bereits verübter Gewalttaten.
Der Kinderschutzbund teilt dies in drei Bereiche:
Die SelbstmelderInnen
Mütter
und vereinzelt auch Väter, die ihre Kinder mißhandeln und die
erkennen, daß dies ein Problem darstellt, bekommen Unterstützung
im Umgang mit ihren Kindern, z. B. in Form von Therapien. Kinder als Selbstmelder
sind dagegen wenig bekannt (ca. 20 pro Jahr).
Die FremdmelderInnen
Verwandte
oder Nachbarn, die eine Kindesmißhandlung vermuten. In diesem Fall
wird über die "anzeigende Person" Kontakt zur Familie aufgenommen.
Angebot
von Fachberatungen für LehrerInnen, TherapeutInnen und ÄrztInnen
Besonderes
Problem bei der Hilfe sind gerade die total überlasteten Häuser
für mißbrauchte und vergewaltigte Mädchen und Frauen.
Die vorhandenen Möglichkeiten müssen hier besser finanziell
abgesichert und schnell neue Frauenhäuser geschaffen werden. Aber
auch männlichen Tätern und Opfern
fehlen pädagogische Hilfen und auch eigene Häuser.
Forderungen
Aus diesem
Auszug der Untersuchung der Gewalt in unserer Gesellschaft ergeben sich
folgende Forderungen:
Die Organisationen und Vereine, die sich mit dem Themenbereich "Gewalt"
befassen, Hilfe leisten und für Aufklärung sorgen, sind von
der Bürgerschaft in ausreichendem Maße zu unterstützen.
Weiterhin
fordern wir:
die Durchsetzung des Vorschlages im Deutschen Bundestag zur Neufassung
des § 1631 Absatz 2 Bürgerliches Gesetzbuch. Dieser Vorschlag
lautet: "Kinder sind gewaltfrei zu erziehen. Entwürdigende Erziehungsmaßnahmen,
insbesondere Körperstrafen und seelisch verletzende Sanktionen sind
unzulässig."
die Einrichtung von mehreren Kinderhäusern in verschiedenen Stadtteilen.
Kinder, die Opfer von Gewalttaten durch Eltern geworden sind, sollen dort
im Notfall Obhut, Schutz und fachliche Betreuung finden.
"Streetworker" für Kinder und Jugendliche.
Änderung der Lebensbedingungen, insbesondere in sozialen Brennpunkten.
Beschäftigung mit dem Thema in sozialen Einrichtungen (Kindergärten,
Schulen u. ä.).
Überprüfung des Sexualstrafrechts.
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